Zwischen 1830 und 1913 verließen über 6 Millionen Menschen Deutschland, davon mehr als die Hälfte zwischen 1861 und l931. Wirtschaftliche Gründe mögen die meisten dazu bewogen haben, aber auch die Hoffnung nach freierem, demokratischem Leben haben sicher manche veranlasst, vor allem in Übersee eine neue Existenz zu gründen.
Zwischen 1847 und 1890 kehrten über 200 Personen ihrem Heimatort Altschweier den Rücken und wanderten in die USA aus. W. Müller vom Generallandesarchiv in Karlsruhe hat eine Namenliste dieser Auswanderer mit Auswanderungsjahr und den Fundortsignaturen des Karlsruher Archivs zusammengestellt, wo man nähere Hinweise finden kann. Die Liste ist bei der Ortsverwaltung einsehbar und soll demnächst auch im Internet veröffentlicht werden. Hier einige mehr oder wenig zufällig ausgewählte Beispiele.
1851 verlangt Ignaz Ehreier die Herausgabe seines Vermögens. Vor vier Jahren ist er nach Amerika ausgewandert, hat sich dort inzwischen verheiratet und hält sich in New Orleans auf . Am 25 Februar 1847 hat er dem Rebmann Urban Fritz von Bühlertal eine Vollmacht für alle Rechtsgeschäfte erteilt, weil er sich als Steinhauergeselle in der Fremde vervollkommnen wollte.
Zunächst muss der damalige AItschweierer Bürgermeister Hörth über die Vermögensverhältnisse berichten. Etwaige Gläubiger haben sich an einem im Regierungsblatt verkündeten Termin zu melden. Nach Abzug aller Schulden werden Ehreiser noch 3 % von seiner Habe den 208 Gulden und 11 Kreuzern abgezogen, weil er sich ohne Erlaubnis in auswärtigen Landesgebiet niedergelassen hatte.
1855 bittet die ledige volljährige Bürgerstochter Monika Meier ihr zur Auswanderung nach Amerika die Staatserlaubnis zu erteilen und den nötigen Reisepass auszufertigen. Sie soll 300 Gulden für den ausgewanderten Augustin Linz mitnehmen. Melchior Jost haftet für die Schulden der Monika Meier.
Der 1882/83 auswandernde Rudolph Morath, lässt hier sein Mutter zurück, die sich aber in keinem hilfsbedürftigen Zustand befindet. Er will 200 bis 250 Mark an Bargeld mitnehmen, sich als Küfer und Essigsieder ernähren und hofft durch die Vermittlung seiner dortigen Verwandten Arbeit zu bekommen.
1850 will Cäcilie Mayer geb. Kist auswandern. Sie ist die Frau des Ferdinand Mayer, der sich am letzten Aufstand (Badische Revolution) beteiligt hatte, geflohen war und sich in Amerika aufhielt. Nachdem die Schulden bezahlt sind, stellt Bürgermeister Hörth am 8 Juli fest, dass einer Auswanderung nichts entgegenstehe.
Dagegen wird dem 20- jährigen Leo Maier, Küfer, die Auswanderung nach Amerika nicht gestattet. Er muss erst seiner Konskriptionserlaubnispflicht (Militärdienst) Genüge tun.
Auch der Rebmann Mathias Meier, der mit Frau und Kindern nach Amerika auswandern will, erhält keine Erlaubnis. Er lebt mit seiner Frau in Gütertrennung und besitzt keinen guten Leumund. Zwei Mitglieder des zusammengerufenen Familienrats erklären, der Antragsteller sei ein leichtfertiger Mann und man befürchte, dass er das Geld der Kinder verschwenden werde. Das sind nur wenige Beispiel aus einer Fülle von Einzelschicksalen. Sie können auch wertvolle Hinweise für die neuere Geschichte von Altschweier geben und familiengeschichtlich und genealogisch Interessierten als Hilfe zur Erforschung ihrer Vorfahren dienen. Der Verfasser und der Historische Verein Bühl ist bei auftauchenden Fragen und Problemen im Rahmen seiner Möglichkeiten bei der Erkundung gerne behilflich.
(Wir werden versuchen eine Liste der zwischen 1830 und 1913 augewanderten Altschweierer Bürger hier zu veröffentlichen, sofern das Generallandesarchiv seine Zustimmung gibt und vom Datenschutz keine Einwände anzumelden sind.)