Was gab's früher
in Altschweier...?
Ein kurzer Ausflug in die Geschichte...
Beim Bau der bereits wieder abgebauten Bühlertalbahn wurden im Jahre 1897 ein Steinbeil und zwei Pfeilspitzen gefunden.
Demnach müssen sich schon im späten Neolithikum (ca. 8000 v.Chr.) Menschen im Altschweierer Tal aufgehalten haben. Jedenfalls sind hier Spuren einer ersten Besiedelung nachweisbar. Alle Zeiten danach bis ca. 450 v.Chr. haben im Altschweierer Tal leider keine direkten Spuren hinterlassen. Da es aber in der ganzen Gegend in diesen Zeiten immer hoch herging, (Kämpfen..Vertreiben..Abbrennen..Neubesiedeln etc...) ist davon auszugehen, daß das Altschweirer Tal davon nicht verschont blieb. Zeugnisse aus jenen Zeiten bis 1265 wurden in Altschweier nicht gefunden.
Altschweier erscheint urkundlich zum erstenmal im Zusammenhang mit einer Verleihung von Edelgütern im Jahr 1265 als Algeswillare oder Algeswilre. Eine in Latein geschriebene Urkunde im Codex Reichenbachensis dokumentiert die Verschenkung von Land an das Kloster Reichenbach durch Luodobert von Staufenberg.
Es sei hier hinzuzufügen, daß die jetzige Schreibweise des Ortsnamens Altschweier erst im 17.Jahrhundert aufkam und urkundlich nicht gerechtfertigt ist. In den Jahrhunderten zuvor wird der Name Algewilre, Alswilre (1283), Alseswilere (1320), Alzwilre(1409), Alsweier(1527) und Alschweier(1588) geschrieben. Jedenfalls hat das später eingefügte "t" mit dem Namen nichts gemein.
Altschweier wird im Jahre 1337 nochmals urkundlich in einem Kaufbrief (in Latein) aus Straßburg erwähnt, wo ein Gut in Alßweyller veräußert wird.
Aus dem Jahre 1409 -1431 existieren weitere Urkunden über "Zinszahlungen".Ein berühmter Sohn des Ortes ist der Steinmetz, Bastian Gugel, vom Hessensteg. Die Geschichte beginnt mit der Unzufriedenheit der markgrafbadischen Untertanen anno 1514 im Flecken Bühl und Umland, hervorgerufen durch ungerechtfertigte Willkürmaßnahmen in Sachen Steuer und Zolleintreibung der markgräflichen Vögte.
Mit der Einführung römisch rechtlicher Grundsätze, die dem bisher gültigen althergebrachten deutschen Recht widersprachen, wurde die Bevölkerung geradezu zum Widerstand gereizt. Diese neuen Gesetzauslegungen, die vom damaligen markgräflichen Amtmann Hans Volmar mit unnötiger Härte gehandhabt worden sind, waren Anlaß eines Bauernaufstandes im Altschweirer Tal. Sebastian Gugel, der mit dem Amtmann schon länger in Konflikt geraten war, machte sich zum Sprecher (Anführer) der Bauernschaft. Es gab lärmende Versammlungen, Umzüge und herausfordernde Reden. Die Gefahr eines gewaltsamen Umsturzes lag in dem Vorgehen aber nicht.
Den Vogt veranlaßte aber dies, seinem Lehensherrn Meldung zu machen, in der vieles überspitzt berichtet wurde. Im Juni 1514 rückte dann ein markgräfliches Reiteraufgebot an ,um diesem "Spuk" ein Ende zu bereiten. Sebastian Gugel und weitere Anführer konnen sich aber noch rechzeitig aus dem Staub machen. Er wurde aber kurze Zeit später in Freiburg i.Br. festgenommen und nach einem kurzen Prozeß mit dem Schwert geköpft.
Bastian Gugel im Orginalton:
"Mer derf nit alles wellen liden. Mer mueß dene Herrschafte ze Baden zeigen, wo der Barthel der Most holt! Mir welnt nit im Graben fronen, mir welle uf em rechte Weg die Matte als gemein Vieweid nutzen, um den Zins, wo sie der Herrschaft jetzund abwirft."
Ein dunkles Kapitel auch in der Geschichte von Altschweier, war der Hexenwahn im Jahr 1628 und 1629. Neun Einwohner fielen ihm zum Opfer, sie wurden unter der Folter zu falschen Aussagen gezwungen und später hingerichtet.
Im Jahre 1691 wurde das Altschweierer Tal von den Franzosen unter General de Lorges verwüstet. Die Einwohner waren der französischen Willkür hoffnungslos ausgeliefert. Bis 1734 wurde die hiesige Bevölkerung von Kriegen und Hungersnöten ausgemergelt. Dann kehrte für ein halbes Jahrhundert bis zum Ausbruch der franz. Revolution 1789 der Friede in unsere Lande ein.
Gemeindesiegel aus dem Jahr 1789
Während der Revolutionswirren, die auch auf Baden mehr oder weniger übergriffen, hielt man sich in Altschweier wohlweislich zurück, man konnte sich ja noch an die Geschichte mit dem Gugel Bastian erinnern.
Im Jahre 1800 fanden französische Emigranten für einige Zeit Zuflucht in Altschweier. Besonders erwähnt sei hier der Abbé Calvis aus Toulon.
Zu erwähnen sei auch die Besonderheit der kirchlichen Zugehörigkeit der Altschweierer Bürger, da Altschweier bis 1868 keine eigene Kuratie war. Die Leute auf der "Kapplerseite" gehörten zur Kirchengemeinde Kappelwindeck, die Leute auf der "Bühlerseite" zur Kirchengemeinde Bühl.
1868 wurde der erste Pfarrer für Altschweier eingesetzt, die Gemeinde war nun vereint.
Die badische Revolution von 1848/49 machte auch vor Altschweier nicht halt. Aus Altschweier rekrutierten sich "Rebellen" wie "Getreue". Viele zahlten für die Aufstände mit Ihrem Leben in den
Kasematten zu Rastatt.
Danach folgten im Jahre 1858-1855 unbeschreibliche Not- und Hungerjahre.
Im Kriege von 1870 hatten auch Altschweierer Bürgersöhne Ihre heimatliche Pflicht zu leisten. Es sei hier erwähnt, daß "nur" ein Altschweier sein Leben fuers Vaterland bei Dijon verlor, alle anderen kehrten unversehrt in die Heimat zurück.
Wie alle anderen Ortschaften auch, litt Altschweier unter 2 weiteren Kriegen und deren Folgen.
Von größeren Zerstörungen während der Kriege ist Altschweier allerdings verschont geblieben.
"Wanderer schau unsere Heimat, und sage den Brüdern wofür wir gefallen" lautet die Inschrift am Kriegerdenkmal in der Ortsmitte. In kleiner Schrift finden sich dort alle Namen, der in beiden Weltkriegen gefallenen jungen Männer aus unserem Dorf.
Bei der Restaurierung des Denkmals im Jahre 2003
R.Loeper
(Quelle: Heimatbuch Altschweier)
Die Bürgermeister der ehemals selbständigen Gemeinde Altschweier seit dem Jahre 1900
1900 - 1901 ein Bürger namens Maier (Vorname ist unbekannt)
1901 -1910 Ignaz Kist (gewählt)
1910 - 1924 Johann Vollmer (gewählt)
1924- 1933 Max Hermann Kirschner (gewählt)
1933 - 1935 Phillip Schneider (gewählt)
1935 - 1945 Friedrich Daub (nicht frei gewählt, durch NSDAP Orstgruppe bestimmt) (Vertreter Johann Meier)
1945 - 1946 Johann Baumann und Alfred Eberle ( ernannt von der franz. Militärverwaltung)
1946 - 1955 Wilhelm Maushart (gewählt)
1955 - 1971 Bernhard Bauer (gewählt) ausgeschieden wegen Erreichung der Altersgrenze
Bis zur Eingemeindung von Altschweier nach Bühl im Jahre 1973 verwaltetet Bürgermeisterstellvertreter Gustav Ehreiser die Gemeinde.